Zum Anet A8 bin ich im Winter 2016 gekommen als ich der Vorweihnachtszeit am Surfen war. Dabei war ich recht ungläubig, ob ein 3D-Drucker für unter 150 Euro überhaupt etwas taugen kann. (So viel Vorweg, der Anet A8 ist nicht das Ende aller Weisheiten und es gibt inzwischen bezahlbare Alternativen im unteren Preissegment.) Die Frage ob ich ihn wieder kaufen kann ich dennoch mit einem klaren “Ja” beantworten. Der Aufbau hat mega viel Spaß gemacht und hat mich letztlich zum 3D-Druck gebracht. Ein Thema das mich bis heute fesselt und welches sich nach und nach auch in den Alltag integriert hat. In diesem  Artikel bekommst Du eine “semi-kurze” Übersicht zu meinen Erfahrungen mit dem Anet A8

Verarbeitung

Für unter 150 Euro hatte ich nichts besonderes erwartet und habe auch nichts besonderes bekommen. Auf den Punkt: Der Anet A8 ist eine viel geliebte Plastikbombe aus China mit eher schlechter Verarbeitung und Materialqualität. Doch dabei lieben die wenigsten diesen 3D-Drucker wegen seiner Langlebigkeit, sondern viel mehr wegen ihren Erfahrungen damit. Oftmals ist es der Erste 3D-Drucker (wie bei mir) und das ist schon mit vielen Wow-Effekten verbunden. Das erste Mal einen Druck entstehen zu sehen ist eine schöne Erfahrung. Wer auf basteln steht kommt auch schon vorher auf seine Kosten, denn der Anet A8 ist ein Bausatz für einen 3D-Drucker.

Die Rahmenteile sind vollständig aus gelasertem Acryl was sich nicht gerade positiv zeigt.. Weiter sind die vorgefertigten Kabel maximal auf mittelmäßigen Niveau verarbeitet. Und von der Materialqualität der Einzelteile fange ich jetzt nicht an. Aber Hey, er druckt und das eigentlich recht gut. Und für den schmalen Preis sogar richtig gut. Wer heute einen Anet A8 kauft tut es dennoch entweder aus Unwissenheit oder weil er genau weiß, was er für sein Geld bekommt. Beides halte ich für vertretbar. Da kann man sein Geld wirklich trotz allem schlechter investieren. Ehrlich gesagt überlege ich mir grade beim Schreiben ob ich ihn nicht sentimentaler Weise mal wieder aus dem Schrank holen soll 🙂 – Drucken würde er auch nach 3 Jahren und 100+ Stunden inklusive positiven und  negativen “Verbastelungen” noch.

Das Druckbett ist eher rudimentär befestigt und dank der Flügelmuttern tun einem nach exzessivem manuellen Leveln auch mal die Finger weh. Schade ist, es liegt bei Anet A8 keine Glasplatte für den Druck bei. Geliefert wird nur das blanke Heizbett mit etwas Klebeband darauf. Das tut es zwar auch für den Anfang aber möchte man öfters mal was ausdrucken, was ich jedem Käufer mal intelligent unterstelle, dann sollte man sich noch eine Glasplatte besorgen die man auf das Heizbett klemmen kann. Alternativ geht auch eine FR4-Platte mit 2-3mm Stärke.

Keine Coupons gefunden.

Custom Anet A8

Wie schon erwähnt gleicht da draußen in der 3D-Drucker-Gemeinde eigentlich kein Anet A8 dem anderen, was neben dem Basteldrang der Fans auch der Verarbeitung des Bausatzes geschuldet ist. In Summe lässt sich zu diesem “Customizen” sagen es macht wahnsinnig viel Spaß. Auf der Plattform Thingiverse finden sich hunderte Mods für den Drucker und man kann quasi schier unendlich lange an ihm basteln. Ich unterstelle mal da draußen gibt es Leute die lediglich Teile für ihre 3D-Drucker ausdrucken und sonst nichts 😉

 

Die elektronischen Bauteile

Die Elektronik ist ebenfalls ein Bausatz und wird mehr oder weniger in ihren Einzelteilen geliefert. Löten muss man zwar nicht. Aber Schrauben, Stecken, Klemmen und Ummanteln sollte man sich zutrauen. Für den Aufbau sollte man auf alle Fälle elektrotechnisches Grundverständnis auf Realschul-Niveau mitbringen. Da selbst die 230-Volt Verkabelung zum Trafo-Netzteil selbst verkabelt werden muss, kann der Spaß schnell nach hinten losgehen. Vor brennenden Häusern braucht man nun nicht gleich fürchten, aber passieren kann trotzdem Allerlei wenn 230 Volt im Spiel sind. Nachdenken!

Im Internet und vor allem in den sozialen Netzwerken findet man immer wieder Schreckens-Meldungen und Hilfeschreie mit durchgebrannten elektronischen Komponenten etc. Hier würde ich aus der Erfahrung heraus etwas Entwarnung geben, meistens ist es dann doch auf die Anwender selbst zurückzuführen. Neben den selbst produzierten Kurzschlüssen der begeisterten Einsteiger gibt es teilweise aber Meldungen welche tatsächlich auf defekte Bauteile zurückzuführen sind. Die Fertigungsqualität der verwendeten Komponenten ist jedenfalls nicht all zu hoch. Das Mainboard allerdings ist von üblicher Qualität entgegen vieler Meldungen. Durch schlechte Verkabelung durch Material und heimischen Projektleiter, muss es allerdings oft am meisten Leiden und wirft als erstes den Hut.

Schließt man Alles an wie es vorgesehen ist, hat man trotzdem keine besonders sichere und zuverlässige Elektronik. Ich habe bereits damals beim Aufbau viele Endstücke neu eingelötet. Für jemand der regelmäßig mit elektronsichen Bauteilen spielt ist das kein Hindernis. Mit ein wenig Erfahrung damit geht es auch noch. Für einen Standard-Verbraucher allerdings ist der Anet A8 sicher Nichts

Drucken mit dem Anet A8

-Macht am Anfang noch sehr viel Spaß. Wobei ich mir unsicher bin was mehr Spaß macht: Das gefesselte Zugucken oder die Resultate. Beides wahnsinnig toll! Gut die Geräusch-Kulisse ist jetzt eher nicht so toll. Erinnert irgendwie an die alten Nadeldrucker aber nun ja, ich musste feststellen es geht auch schlimmer als beim Anet A8. Ihn neben den heimischen Desktop-PC zu stellen und nebenher konzentriert zu Arbeiten macht allenfalls mit guten Kopfhörern Spaß. Wer den Anet A8 in den Keller stellen kann für den Druck muss hier aber nicht weiter drüber nachdenken. Größten Teils kommt die Lautstärke durch die Steppertreiber vom Typ 4998 und den Kugel-Lagern auf den Edelstahl-Führungen. Zwar gibt schnelle Abhilfe zum Beispiel in Form von Gleitlagern von Igus, allerdings sind diese mittelfristig gesehen nicht so toll da die nötige Belastung für das Einschleifen fehlt.

Richtig nervig am Anet A8 ist die Extruder-Konstruktion. Das Filament zu wechseln wird eigentliche erst möglich, wenn man Bauteile davon teilweise lockert. Keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat (Vermutlich keiner, muss zwischendrin aufgehört haben :-D). Jedenfalls macht es keinen Spaß hier häufiger zu wechseln. Gut dass eine Rolle mit 1Kilo Filament relativ lange hält, dachte ich mir irgendwann. Und dann kann man gut damit leben =).

Druck-Material

Der Anet A8 eignet sich maßgeblich für den Druck von PLA-Filament. Für Filamente mit additiven Stoffen wie Holz oder Carbon muss auf jedenfall die Nozzle gewechselt werden auf eine Edelstahl-Nozzle wie zum Beispiel von MicroSwiss. Für flexible Kunststoffe wie TPU ist der Anet A8 ohne Modifikationen auch nicht geeignet dank seiner undurchdachten Extruder-Konstruktion. Den Vorteil des Direkt-Extruders verspielt er damit leider auch.

Druckqualität

Legt man nicht zu großen Wert auf super feine Druckqualität, wie man sie bei Deko-Objekten erwartet die man sich in die Wohnung stellt, dann ist der Anet A8 trotz seiner Verarbeitung jedem Zweifel erhaben. Die Druck-Qualität bei mäßiger Geschwindigkeit ist durchaus ordentlich. Vorausgesetzt, der 3D-Drucker ist richtig und ordentlich aufgebaut. Zwar muss man immer wieder mal nachjustieren und die eine oder andere Schraube wieder anziehen, aber die Qualität der ausgedruckten Modelle muss sich durchaus nicht verstecken. Wer mal schnell in seiner Werkstatt was ausdrucken möchte wird das mit dem Anet A8 in jedem Fall hinbekommen.

Alternativen

Wer nicht das spezielle Bastel-Erlebnis möchte, der sollte sich auf jeden Fall die Alternativen im Bereich um 180 Euro anschauen. Hier bekommt man schon deutlich besser verarbeitete Geräte mit mehr Nachhaltigkeit und deutlich besseren Druck-Eigenschaften. Genannt seien hier der Ender 2 von “Creality 3D”, der Ender 3 von “Creality 3D” oder auch der Alfawise U30 von Gearbest.


Keine Coupons gefunden.
Twitter