von Technikmensch

Wer in 2019 einen kleinen Handheld-Gimbal haben wollte, kam am Hersteller DJI nicht vorbei. Der Osmo Pocket war einzigartig, doch diese Zeiten scheinen nun mit dem Fimi Palm von Xiaomi bald vorbei zu sein.

Fimi Palm mit visualisierter Bluetooth-Verbindung, WIFI-Verbindung
Fimi Palm: Erschreckend ähnlich zu DJI Osmo Pocket. Aber mit eingebautem Bluetooth und W-Lan

Features

Die Spezifikationen zum Fimi Palm sind inzwischen bekannt und machen ihn durchaus interessant. Hier kannst Du die Eckdaten im Vergleich zum Osmo nachlesen.

Größe

Der Fimi Palm misst 127 x 31 x 23 mm und spielt somit ziemlich exakt in der gleichen Liga wie der Osmo Pocket (122 x 37 x 29 mm). Die Größe empfinde ich mit meinen mittelgroßen Händen beim Osmo Pocket als sehr angenehm. Beim Palm wird es also ähnlich sein.

Gewicht

Auch beim Gewicht gibt es keine großen Unterschiede: Während das Original von DJI 116g auf die Waage bringt, sind es beim Fimi Palm glatte 120g. Die 4 Gramm fallen nicht wirklich ins Gewicht, von daher exakt das Gleiche.

Gimbal-Achsen

Wie Du sicher schon vermutest, gibt es auch hier keine Unterschiede. Sowohl der Fimi Palm als auch der Osmo Pocket bieten volle 3-Achsen-Stabilisierung für besonders ruhige Bilder.

Gimbal-Modis

Während der Osmo Pocket die Programme "Folgen", "Tilt Lock" und "FirstPersonView" anbietet, kommt beim Fimi Palm noch eine weitere Option hinzu, in der alle Achsen gesperrt werden können. Denkbarer Einsatz wäre, wenn man etwas Action in sein Bildmaterial bringen möchte, ähnlich zu einer Action-Cam. Diese sind dann aber meistens stabilisiert per Software. Wie gut das funktioniert und für was sich dieser Modus eignet, muss also erst noch ausprobiert werden.

Skizze zeigt Übersicht und Anordnung am Fimi Palm
Übersicht und Anordnung am Fimi Palm

Steuerung

Hier ist einer der ersten großen Unterschiede, mit denen der Fimi Palm auftrumpfen möchte. Denn der bietet an seinem kleinen Gehäuse einen 5-Wege-Joystick, wie wir ihn auch z.B. von Osmo Mobile 2 Smartphone-Gimbal kennen. Wie gut das an dem kleinen Gerät funktioniert macht mich richtig neugierig. Denn nicht selten schließe ich alleine für Gimbal-Bewegungen doch das Smartphone an den Osmo Pocket, um hier schönere Bewegungen per Display-Joystick realisieren zu können.

Joystick funktionien des Xiaomi Handheld Gimbal werden erklärt
Joystick-Bedienkonzept am Handheld Gimbal von Xiaomi

Mikrofone und Audio-Schnittstelle

Wenn ich Kritik am Osmo Pocket übe, dann meistens wegen der gewöhnungsbedürftigen Platzierung der Mikrofone. Umso trauriger, dass die Entwickler von Xiaomi dieses Konzept beim Fimi Palm übernommen haben. Das zum Anwender gerichtete Mikrofon sitzt mehr oder weniger direkt neben den Bedienknöpfen und man kann es leicht beim Halten verdecken. Ärgerlich, wenn man das während oder nach der Aufnahme feststellt. Inzwischen komme ich ganz gut damit klar, allerdings ging am Anfang die eine oder andere Aufnahme in die Hose.

Tracking und Active Track

Beide Gimbal-Kameras unterstützen Active Track, was keine große Überraschung ist. Da es sich dabei hauptsächlich um ein Software-Feature handelt, bleibt es abzuwarten, wie sich der Fimi Palm hier schlagen wird. Aus dem Bauch heraus wird wohl jeder vermuten, auch ich, dass der Osmo Pocket hier erstmal die Nase vorne behalten wird. DJI hat hier über viele Jahre einfach Erfahrung gesammelt und liefert mit seinen Apps schon immer sehr gute Qualität ab. Ob der neue Herausforderer hier punkten kann bleibt abzuwarten.

Kreativ-Modis

Bei den Kreativ-Modis liefert der Fimi Palm bereits bekannt Features: Panorama, Time-Lapse, Motion-Lapse und Hyper-Lapse sind an Bord. Diese Modis kennen wir auch vom DJI Osmo Pocket. Unterschiede soll es wohl bei Slow-M0 und einem Zoom-Modi  geben. Wie diese genau aussehen, konnte ich bisher nicht herausfinden. Allerdings soll der Fimi  wohl 8x SlowMO unterstützen.

Maximale Auflösung und Bildrate

Der Fimi Palm kann laut vorliegender Spezifikation 4k nur mit 30 Frames die Sekunde bedienen. Das Pendant aus dem Hause DJI schafft hier 60 Frames, was bei grellem Sonnenlicht oder wenn es mal etwas schneller zugeht, Aufnahmen retten kann. Bestimmt Motive wie Wellen nehme ich zum Beispiel immer mit 60 Bilder pro Sekunde auf um sie später etwas langsamer abspielen zu können. Sollte der Fimi Palm wirklich nur 30 FPS unterstützen bei 4k, wäre das eine arge Einschränkung.

Beide Handheld-Gimbals besitzen übrigens einen 12 Megapixel 1/2,3'' CMOS Sensor.

Bitrate des Videostream

Hier gibt es nichts was überraschen würde. Wie der Osmo Pocket unterstützt auch der Fimi Palm volle 100 Mb/s Videostream für 4k-Aufnahmen.

Field of View - Blickwinkel der Kamera

Beim Osmo Pocket liegt der FoV bei angenehmen 80 Grad.  Der Blickwinkel des Fimi Palm beträgt hingegen 128 Grad, was einem deutlich breiteren Sichtfeld entspricht. Zum Vergleich, der Blickwinkel einer GoPro Hero 7 beträft bei 4:3 ohne Zoom 122,6 Grad. Der Filmi Palm 3 ist also eher wie eine ActionCam unterwegs mit allen Vor- und Nachteilen, was wohl bei der Kaufentscheidung eine entscheidende Rolle spielen dürfte.

Vergleich des Field of View an Beispiel-Bildausschnitt
Field of View im Vergleich: 80 Grad beim Osmo Pocket und 128 Grad beim Fimi Palm

Display-Größe

Die Anzeige des Fimi (1,22 Zoll, ca. 31 mm) ist etwas größer als wir es vom Touchscreen des Osmo Pocket kennen (1,08 Zoll, ca. 27 Millimeter). Vier Milimeter in der Diagonale können durchaus etwas ausmachen. Letztendlich sind aber beides kleine Anzeigen und mich würde, das weniger interessieren.

Akku und Laufzeit

DJI hat dem Osmo Pocket einen 875 mAh Akku spendiert. Der Fimi Palm hingegen ist mit 1000 mAh angegeben. Dabei überraschen die sind die Laufzeit-Angaben. Denn der DJI hat als maximale Laufzeit 140 Minuten angegeben. Xiaomi lobt seinen neuen Handheld Gimbal mit 240 Minuten Filmzeit. Das wäre über eine Stunde mehr und sicherlich ein gutes Kriterium für den Kauf. Ob das wirklich so ist, würd ich heute erstmal noch infrage stellen. Sicherlich nicht mit aktiviertem Bluetooth oder WIFI, denn das braucht bekanntlich auch Strom.

Schnittstellen

Wie der Pocket hat der Palm eine USB-C Schnittstelle als Standardschnittstelle für Datenaustausch und als Ladeport. Xiaomi hat aber auch ebenfalls die arge Kritik am Osmo aufgeschnappt und direkt einen 3,5 mm Klinkenanschluss  für ein externes Mikrofon verbaut. Das macht dem Palm kompatibel zu vielen und oftmals sowieso vorhandenen Zubehör wie dem kleinen Rode-Mikrofon.

Ebenfalls hat der Fimi Palm einen Standard-Gewinde für ein Stativ. Ich habe bis heute nicht verstanden, wie DJI das verpassen konnte, denn der DJI Osmo Pocket ist hier nackig und verlangt nach Extra-Zubehör.

Preis und Release

Während der Osmo Pocket inzwischen sich ungefähr bei knapp 320 Euro eingependelt hat, soll der Fimi Palm für ungefähr 200 Dollar starten. Ausgeliefert werden soll der neue von Xiaomi ab Januar. Bei Gearbest kann man ihn derzeit vorbestellen und bekommt ihn dann für mit Sonderrabatt für knapp 150 Dollar, also der Hälfte zum Osmo Pocket. Das nenne ich eine Kampfansage.

Hier gehts zum Vorbesteller-Angebot!

Fazit

Da ich schon lange den Osmo Pocket lieben gelernt habe, werde ich wohl erstmal die Finger ruhig halten und schauen was im Frühjahr von den Ersten über den Fimi erzählt werden wird. Hätte ich noch keinen Handheld-Gimbal, würde ich vermutlich versuchen an ein Exemplar des Palm zu kommen :-) Wie im Artikel dargestellt, haben beide ihre Postiv- und Negativ-Punkte. Überlegt also, welches Konzept besser zu Euch passt oder welche Features Euch wichtiger sind.

Viele Grüße, tm

Technikmensch • 20 Artikel

34 Jahre, Nerd... Auf technikmensch.de fröne ich meiner Leidenschaft Technik und setze mich kontrovers mit aktuellen Gadgets, Hardware und Software auseinander.

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