Mit Home Assistant kann jeder sehr schnell erste Smart Home Projekte realisieren. Die Software fungiert dabei als zentrale Schalt-Einrichtung und Dashboard im lokalen Netzwerk. Auch der Datenschutz kommt nicht zu kurz und es sind Szenarien gänzlich ohne Cloud möglich.

Was ist Home Assistant?

Home Assistant ist eine der größeren und verbreiteteren Open Source-Lösungen für die Heim-Automatisierung. Dank sehr großer Community und verfügbarer Bibliotheken zu vielen Produkten, wird hier jeder fündig.

Entgegen anderer Lösungen setzt Home Assistant auf einsteigerfreundliches Python 3 und ist damit verhältnismäßig leicht erweiterbar. Aber auch ohne Programmier-Kenntnisse kann man Ergebnisse erzielen. Dennoch sollte man gewillt sein, sich mit Python 3 auseinanderzusetzen, um sein Smart Home Projekt individuell optimieren zu können.

Demo der Weboberfläche

Screenshot Home-Assistant
Weboberfläche von Home-Assistant

Die Weboberfäche kannst du jetzt sofort im Browser als Demo ausprobieren. Sie zeigt schon sehr gut was alles möglich ist und was man erwarten darf:

Home Assistant Demo
Open source home automation that puts local control and privacy first.

Benötigte Hardware

Home Assistant ist für den günstigen Betrieb auf einem Raspberry Pi ausgelegt. Dafür steht unter hass.io ein vorbereitetes Image bereit. Ebenfalls gibt es Images für Tinkerboard, Odroid oder Intel-Nuc.

Du kannst HASS aber auch auf einem normalen alten PC, als virtuelle Maschine oder als Docker-Container auf nahezu beliebiger Hardware betreiben. Grundsätzliche Voraussetzung sind nur Python 3 und die verwendeten Bibliotheken.

Ich persönlich nutze Home Assistant mit dem originalen Docker-Container auf meinem Synology NAS. Im Prinzip geht das mit jedem Synology NAS das einen x86 oder x64 CPU hat.

Synology - Docker auf dem NAS installieren unter DSM
In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du Docker auf Deinem Synology NAS installieren kannst. Um die offizielle Docker-Implementierung von Synology nutzen zu können, brauchst Du dafür lediglich ein NAS mit einem x86 oder x64 Prozessor. Auf den kleinen Modellen wie zum Beispiel dem DS 216j oder DS 218j…

Betrieb als Docker Container auf Synology NAS

Wenn du Docker auf deinem Synology NAS hast, kannst du Home Assistant auch dort laufen lassen. Sonderlich Ressourcen-hungrig ist es jedenfalls nicht und gibt sich mit niedriger CPU-Auslastung und ca. 120 MB RAM zufrieden.

Installation

Für die Installation meldest du dich zunächst an der Weboberfläche deines NAS an.

  1. Wechsle in die Docker App
  2. Gehe auf die Registrierung und suche dort nach "homeassistant/home-assistant"
  3. Lade die Latest-Version des Abbilds
  4. Nach dem Herunterladen starte das Wizard für den Start eines Containers. Gib deinem neuen Containernamen wie "homeassistant"
  5. Unter "Erweiterte Einstellungen" gehe auf den Reiter Volume. Lege dort einen lokalen Ordner an für die Konfiguration und versehe ihn mit dem Mount-Pfad /config
  6. Wechsle auf den Reiter Netzwerk und setze den Haken bei "Dasselbe Netzwerk wie Docker Host verwenden"
  7. Danach kannst du den Wizard abschließen und den Container starten
  8. Öffne nun den Browser mit der Adresse
    http://<ip-deines-nas>:8123
  9. Richte den Admin-Benutzer ein und schließe die Konfiguration ab.

Betrieb auf einem Raspberry Pi

Für den Einsatz auf einem Raspberry PI empfehle ich dir über USB von einer SSD oder HDD zu booten. Diese sind deutlich langlebiger als SD-Karten.

Wenn du aktuell erst ein Raspberry kaufen musst, dann solltest du beachten, dass ein Raspberry Pi 4 noch nicht ganze ohne SD-Karte gebootet werden kann. Dazu muss von der RASPI-Foundation erst der Bootloader auf die Pi4 CPU angepasst werden. Stand 23.02.2020 ist das noch nicht passiert und wird wohl noch einige Monate dauern.

Installation auf einem Raspberry Pi

Gehe für die Installation auf einem Raspi wie folgt vor:

  1. Lade das Image herunter von hass.io
  2. Flashe das Image mit einem Tool wie "Balena-Etcher" auf die SD-Karte (32 GB oder mehr empfohlen)
  3. Wi-Fi und Netzwerk vorbereiten (offizielle Doku)
  4. SD-Karte einlegen und Stromversorgung des Raspi herstellen.
  5. Beim ersten Start wird zunächst die neuste Version von Home Assistant heruntergeladen. Das kann je nach Internetverbindung eine Weile dauern.
  6. Nach dem Start erreichst du die Weboberfläche im Browser über:
    http://<raspi-ip-adresse>:8123
  7. Jetzt kannst du den Administrator-Benutzer anlegen und die initiale Konfiguration abschließen.

Erste Geräte und Aktoren verbinden

Da dich für Home Assistant interessiert, hast du sicher auch bereits erste Geräte, die sich damit verbinden lassen. Ideal für den Anfang ist zum Beispiel eine Netatmo Wetterstation. Diese sind nicht nur sehr einfach einzubinden, sondern liefern auch gleich Daten, welche sich für Automatisierungen nutzen lassen.

Eine Übersicht was sich alles über bereits bestehende Bibliotheken verbinden lässt, bekommst du direkt auf hass.io unter "Integrations"

Standard-Integration "Sun"

Nach der initialen Einrichtung steht schon eine Integration Sun zur Verfügung. Diese zeigt auf dem Dashboard bereits den aktuellen Sonnenstand und weitere Informationen an.

Diese Informationen können natürlich ebenfalls für Automatisierungen genutzt werden. Zum Beispiel kannst du damit eine Steckdose bei Sonnenuntergang schalten oder den Rollladen schließen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Beispiel Integration Netatmo

Netatmo ist eine besonders einfache und wirkungsvolle Integration. Hier verknüpfst du dein sowieso vorhandenes Konto bei Netatmo einfach mit Home Assistant. Das ganz geht einfach per Weboberfläche.

Einrichtung Netatmo

Für die Einrichtung gehe wie folgt vor:

  1. Gehe dazu in der Weboberfläche auf Einstellungen im Menüband links
  2. Wähle Integrationen
  3. Klicke unten rechts im Browser auf das +
  4. Wähle aus der Liste Netatmo aus.
  5. Es öffnet sich die Anmelde-Maske für dein Netatmo-Account. Logge dich dort ein.
  6. Bestätige, das Home Assistant auf Netatmo zugreifen darf.
  7. Schließe die Einrichtung deiner Devices ab
Netatmo Sensor-Daten in Home Assistant Dashboard
Netatmo Sensor-Daten in Home Assistant Dashboard. Die Namen für die Sensordaten müssen noch angepasst werden. Ebenfalls kann man den Schalter von den Tabs ausblenden, wenn man ihn nicht braucht. All das lässt sich ohne Code auf der Weboberfläche erledigen.

Damit sind deine Sensoren auch schon verknüpft und können von Home Assistant ausgelesen werden. Zwar ist das eine einfach einzurichtende Integration. Aber sie zeigt schon gut was alles möglich ist.

Apps für iOS und Android

Natürlich findet man Apps in den Appstores für Home Assistant. Die Apps sind kostenlos und gut gestaltet. Toll ist an diesen Apps ebenfalls, dass diese aus deinem Smartphone gleichzeitig ein Device machen und sich diese fortan für Automatisierungen nutzen lassen.

Zum Beispiel kannst Du automatisch das Licht anschalten, wenn du nach Hause kommst und es bereits dunkel ist. Auch hier sind die Möglichkeiten nur durch deine Ideen begrenzt.

iOS  

‎Home Assistant
Kontrolliere und überwache dein Zuhause von überall auf der Welt. Home Assistant Companion lässt dich all deine Geräte kontrollieren und bietet erweiterte Standortbestimmungs- und Benachrichtigungsengines um komplexe mobile Automatisierungen zu ermöglichen. Home Assistant ist eine Open-Source Heima…

Android

Home Assistant - Apps on Google Play
The official app for Home Assistant. Home Assistant for Android lets you control all your devices in your Home Assistant instance. Home Assistant is an open-source home automation platform that focuses on privacy and local control. Home Assistant for Android requires that you have access to a Hom…

Anwendungsgebiete

Neben der z.B. offensichtlichen Steuerung von Fußbodenheizung und Rollläden kann man natürlich deutlich mehr mit Home Assistant anstellen. Mit Funksteckdosen erweitert man die Möglichkeiten schon deutlich.

Beschäftigt man sich etwas mehr mit der Technik und Python 3, lassen sich auch ganz ausgefallene Dinge realisieren. So plane ich unter anderem mein Gewächshaus samt hydroponischer Systeme mit Home Assistant zu steuern. Mehr wird natürlich auf dem Blog dazu folgen.

Alternativen

Natürlich gibt es auch alternativen zu Home Assistant:

  1. OpenHAB (Code in Java)
  2. ioBroker (Code in javascript)
  3. Domoticz (Code in C++)
  4. FHEM (Code in Perl)

Da man doch immer wieder mal gerne den Code anpassen möchte, steht dieser gleich neben der Software. Für mich waren dadurch einige Alternativen gleich ausgeschlossen, z.B. Domoticz mit C++ oder FHEM mit Perl...

Hast Du Home Assistant schon im Einsatz oder was hast du damit vor? Schreibe gerne einen Kommentar!

Viele Grüße
tm