Im Gegensatz zu vielen anderen Slicern wird man bei Simplify3D ordentlich zur Kasse gebeten. Erfahre hier, ob sich der Kauf lohnt.

Zu Simplify3D bin ich bereits Anfang 2017 gekommen. Damals waren die bekannten kostenlosen Alternativen, Cura von Ultimaker und Slicer, noch nicht so toll ausgestattet wie man sie heute kennt. Hauptgrund für mich, Simplify3D zu kaufen, war  die Möglichkeit manuell Stützstrukturen direkt im Slicer  realisieren zu können. Die waren richtig gut und sind es heute noch. Im Endeffekt nutze ich sie aber nur bei jedem 10. Druck. Denn meistens konstruiere ich meine Modelle so, dass ich erst gar keine Stützstrukturen brauche. Trotzdem setzte ich auch heute noch auf Simplify3D. Zum einen, weil es ziemlich teuer war mit knapp 140 Euro, zum anderen, weil es ein anderes Feature hat, welches eben richtig gut ist. Und zwar die Prozesse. Lese weiter und erfahre mehr über Prozesse und die anderen, eher exklusiven Features von Simplify3D.

Exklusive Features von Simplify3D

Manuelle Stützstrukturen (Supports)

Ich bin mal ehrlich. Hauptsächlich habe ich mir Simplify3D in Version 4 wegen der manuellen Stützstrukturen geholt. Dass da auch noch andere Features sind, hat damals keine Rolle gespielt. Im Nachhinein ist das witzig, denn die Stützstrukturen nutze ich eigentlich am wenigsten. Deshalb sind sie aber nicht schlecht. Nein, sie sind sogar richtig gut. Und vor allem schnell und einfach.

Ganz großer Vorteil ist man kann sie vollkommen manuell setzen, direkt in der Modell-Vorschau. Wo andere Slicer einen sonst alles voll mauern mit Stützstrukturen, kann man hier ganz gezielt manuell einzelne Säulen setzen. Vollmauern lassen von der Software geht aber natürlich auch. Nur dann kann man sich das Geld, zumindest deshalb, sparen.

Editor: Setzen der manuellen Sützstrukturen in Simplify3D
bei einem schwierigen Druckmodell wie diesem BMW i8 ist es von Vorteil, wenn man die guten manuellen Stützstrukturen aus Simplify3D zur Verfügung hat. Man setzt sie mit der schwarzen Vorschausäule. Die roten Säulen habe ich bereits gesetzt.

Trotzdem nutze ich dieses Feature nicht allzu oft. Das liegt aber eher da dran, dass ich meine Modelle meistens schon so modelliere, dass ich erst gar keine Stützstrukturen brauche beim Druck.

Prozesse

Das Feature Prozesse in Simplify3D ist für mich die eigentliche Kern-Funktion geworden. Mit Prozessen kannst Du die unterschiedlichen Schichten eines 3D-Drucks in einzelne Prozess-Schritte unterteilen. Diese Prozess-Schritte wiederum sind völlig frei konfigurierbar. Unterschiedliche Geschwindigkeiten, Temperaturen, Lüfterdrehzahl, Schichthöhe oder Infill, alles ist möglich. So ziemlich alle Parameter können für einen einzelnen Prozess-Schritt individuell gewählt werden. Und dadurch bekommt man viele Möglichkeiten im Druck.

Prozessfenster aus Simplify3D
Ich nutze standardmäßig 3 Prozesse in Simplify3D, je nach Druck-Modell auch mal mehr

Vorschau für den Druckprozess

Man würde jetzt vermuten eine gute Vorschau für den Druck ist jetzt nicht so der Oberbringer, wenn es um das End-Ergebnis geht. Aber dem wurde ich schon des Öfteren vom Gegenteil überzeugt. In Simplify3D hast du eine sehr komfortable und gute Visualisierung vom ganzen Druckprozess denn Du zusammen gestellt hast. Jede einzelne Fahrt der Nozzle kannst Du schon im Vorfeld ansehen. Dabei werden alle wichtigen Parameter in die Visualisierung mit einbezogen, inklusive der Geschwindigkeit.

Gerade an schwierigen Stellen im Modell kannst Du so schon im Vorfeld recht schnell erkennen, ob der Druck hier gutgehen wird oder eher nicht. Und bei einem längeren Druck, bei dem Du meistens auch schon mehr Zeit im Slicer investierst, bist Du schließlich sehr dankbar, wenn er glatt über die Bühne geht.

GCODE-Vorschau in Simplify3D
Vorschau eines Drucks in Simplify3D. Jedes einzelne Layer lässt sich nachvollziehen. Farblich werden die Druckgeschwindigkeiten visualisiert. Aber auch andere Einstellungen lassen sich farblich hervorheben.

Sonstige Informationen und Gerüchte zu Simplify3D

Simplify3D ist keine Weltraum-Raketentechnik

Zumindest frühe wurde recht oberflächlich argumentiert, dass Simplify3D von Haus aus bessere Drucke realisieren würde als andere Slicer. Ich erinnere mich noch an Testimonials-YouTube-Videos wo sogar als Profis gehandelte Leute sowas von sich gegeben haben. Leute beruhigt Euch, alles quatsch! Im Endeffekt hängt es von deinem Profil ab, dass Du in Simplify3D für dein individuelles Druck-Projekt nutzt. Sämtliche wirklich wichtigen Einstellungen findest Du spätestens heute in den anderen Slicern auch, wenn nicht sogar darüber hinaus. (Kleine Erinnerung an den Wirbel um das Ironing von Cura). Also das sollte definitiv kein Kaufgrund sein für so eine teure Software.

Es gibt keine Testversion

Das nächste ist, das leidige Thema, dass es keine Testversion gibt. Zur Verteidigung, das scheint Firmenpolitik zu sein und war wirklich schon immer so. Ich finde, das kann man das respektieren. Immer wieder liest man auch heute noch, "Kauf es einfach, Du kannst es ein Monat bei voller Erstattung zurückgeben". Nun ja, das ist leider nicht mehr so. Zwar kannst Du immer noch eine bestimmte Zeit lang den Kauf rückgängig machen. Allerdings nur noch 2 Wochen. Vermutlich sind wohl irgendwann, als der Wirbel sich legte, doch wieder relativ viele noch rechtzeitig abgesprungen und dem wollte man so entgegenwirken. Reine Mutmaßung! Fakt ist allerdings man kann nur noch 2 Wochen seine Simplify3D Lizenz zurückgeben, auch wenn man bei Facebook und Co. noch anderes liest.

Wer sich Simplify3D im Vorfeld mal interaktiv anschauen möchte, für den Markus Gossens eine tolle Video-Serie im Angebot auf seinem YouTube-Kanal. Jede Menge Erklär-Material für Lau!

Dokumentation und FAQ

Die Dokumentation und der Print-Quality-Guide sind wirklich richtig gut. Sogar verdammt gut. Ob die Absicht dahinter war, darum dann im Support einsparen zu können, wäre eine sehr böse Unterstellung. Aber die liegen mir halt gut, das kann ich :-)

Spielt aber letzten Ende keine Rolle, denn sie sind gut. Dabei spielt es auch nicht so die große Rolle, ob Du überhaupt mit Simplify3D druckst oder nicht. Sogar, wenn Du andere Slicer nutzt, kann der Print-Quality-Guide dir gute Dienste erweisen.

Auch die Video-Tutorials, leider nur in Englisch verfügbar, sind richtig gut gemacht.

Gcode automatisch an Octoprint senden

Wie Du gcode automatisch an Octoprint senden kannst aus S3D, kannst du heir nachlesen:

S3D gcode automatisch an OctoPrint senden
Unsere Anleitung um automatisch gcode von Simplify 3d nach OctoPrint hochzuladen mit curl.

Version 5.0 von Simplify3D in Aussicht

Laut offizieller Seite von Simplify3D wird gerade fleißig an Simplify3D in Version 5.0 gearbeitet. Wenn ich so recht überlege, kommen mir da zumindest aktuell Zweifel.

Seit ich die Version 4 habe (so ziemlich seit Anfang an) hat sich sehr wenig getan was Updates und Fehler-Korrekturen betrifft. Aktuell sind wir noch auf dem Minor-Release 4.1 und das schon sehr lange.

Auf viel und gute Kritik im hauseigenen Forum von Simplify3D passiert oft recht wenig außer Beschwichtigung. Für eine Software in dieser Preisklasse (immerhin 140 Euro), finde ich das recht mies.

Für Version 5.0 sollen Bestandskunden übrigens wieder zu 100 % in die Tasche greifen. Sprich, wer schon eine ältere Version sein Eigen nennt, hat keinen Preis-Vorteil beim Kauf von Simplify3D 5.0.

Ganz schlimm: Es gibt auch Gerüchte um ein Abo-Modell für S3D 5.0. Die wenigsten User werden dazu aber bereit sein, vor allem im privaten Bereich.

Update 29.12.19

Im S3D-Forum haben sich die Entwickler inzwischen nochmal mit einem Zwischenstand gemeldet. Anscheinend werden über 70 Feature-Requests implementiert in Simplify3D 5.0. Was das konkret heißt und Beispiele werden keine genannt. Ob neue Käufer aus der letzten Zeit das Update umsonst bekommen werden, bleibt weiterhin unklar und wird im Post nicht genannt. Vermutlich also nein. Daher sollte man aktuell vom Kauf absehen, bis zur Veröffentlichung von Version 5.

Abschließende Meinung

Simplify3D ist schon eine gute Software, da gibt es nicht viel zu meckern. Darum setze ich sie auch gerne ein. Aber 140 Euro sind auch ein stolzer Preis. Solltest Du nicht nur gelegentlich drucken, darf man schon über den Kauf nachdenken. (Aktuell würde ich wegen der Geschichte um den kommenden Release von S3D 5.0 aber ganz davon absehen.)

Jedoch, wenn Du nicht ganz so viel druckst dann reichen mittlerweile in jedem Fall die aktuellen Versionen der sonst bekannten Open-Source Slicer vollkommen aus. Auch wenn Du viel druckst, aber eben nur drucken willst, reichen die Open-Source Slicer. Cura von Ultimaker ist in der aktuellen Version eine richtig gute Software geworden. Allgemein haben die anderen Slicer richtig aufgeholt und legen deutlich schneller an Features zu als Simplify3D.

Viele Grüße

tm