Der Tevo Flash ist ein 3D-Drucker mittlerer Größe und es war endlich an der Zeit ihn mal auszupacken und zu testen. Eigentlich schade dass ich das erst jetzt gemacht habe, denn er stand schon seit dem frühen Sommer 2018 in der Warteschlange. In Summe ist das aber gut, denn so hatte ich den Vorteil gleich mehrere 3D-Drucker aus der selben Kategorie zeitgleich in den Test zu schicken. In den Nebenrollen dafür sind der Creality Ender 3, der Alfawise U30 und der noch recht neue JGMAKER von JGAURORA. Für mich war er in der Masse 3D-Drucker der letzten 1-2 Jahre dann doch eine kleine Überraschung, die ich dann doch so nicht erwartet hätte. Warum das so ist kannst Du hier nachlesen.

Tevo ist bei Kennern eigentlich dafür bekannt sehr stereotypische 3D-Drucker zu bauen. Als Beispiel seien der Little Monster oder der Tevo Tornado genannt. Bei beiden Geräten wurde viel Feedback aus der Community sichtbar, was eigentlich eine schöne Sache ist. Oft gibt es dann doch kritische Stimmen zur Art der Umsetzung, zum Beispiel bezüglich Sicherheit von 220 Volt am Heizbett beim Tevo Tornado. Gemessen an den Drucker-Ergebnissen kommen aber immer sehr solide Resultate aus den Geräten, das haben sie alle gemein. -So auch beim Tevo Flash. Das war allerdings keine Überraschung sondern meine Erwartung, schaut man sich Vorgänger und Kontrahenten an.

Vorbereitungen für den ersten Druck

Den Tevo Flash für den ersten Druck fertig zu machen nach dem Auspacken ist selbst für absolute Neulinge recht schnell erledigt. Ich schätze mal ein “Nicht-Techie” braucht ungefähr 30 Minuten. Ich war nach ungefähr 10 Minuten fertig. Ärgerlich wie

Wenn er mal gedruckt ist, dann ist er gut

Wenn er mal gedruckt ist, dann ist er gut

Wie immer bei den letzen Tevo 3D-Druckern fande ich die Tatsache doof, dass keine Halterung für Filament mit dabei war. Wo soll denn der unerfahrene Neuling das Filament hinpacken? Ganz ehrlich, das ist super doof. Das 3D-Modell für einen passenden Spulenhalter ist auf der mitgelieferten SD-Karte. Dieser kann einfach ausgedruckt werden. Aber hey, dafür muss man erstmal drucken und auch dazu brauche ich eine Möglichkeit das Filament zuführen zu können. Die peinlichen 1-2Meter Filament die beigelegt sind reichen auch nicht aus, um das Modell für den Spulenhalter auszudrucken. Echt peinlich und ärgerlich Tevo 👿 Generell finde ich die Idee mit dem druckbaren Spulenhalter (der auch echt gut ist) eigentlich schön und im Sinne der Reprap-Mentalität. Doch bitte denkt mal nach Tevo, wenigstens genug Filament damit man den ausdrucken kann könntet ihr beilegen…

Aufbau- und Bedienungsanleitung (PDF)

Ansonsten war der Aufbau mit der ordentlichen Bedienungsanleitung welche auch gedruckt beiliegt kein Problem. Mit 4 Schrauben ist der Aufbau im großen und ganzen erledigt. Dazu reicht das beliegende Werkzeug völlig aus. Etwas blöd finde ich die Unmode, das neuerdings keine Seitenschneider mehr dabei sind. Den brauche ich zwar nicht zum aufbauen. Aber spätestens beim Filament einlegen muss ich was zum knipsen haben. Ist jetzt kein spezielles Problem beim Tevo Flash sondern generell eine Unmode bei den neueren 3D-Druckern. Am Zubehör wird inzwischen irgendwie etwas gegeizt.

 

Drucken mit dem Tevo Flash

Mit dem Tevo Flash drucken war dann doch eine Überraschung für mich. Ich hatte aufgrund von Preis und offensichtlichen Komponenten den 3D-Drucker erst mal in eine andere Schublade gesteckt gehabt. Na gut 😆 , eigentlich habe ich mich nur beim Aufbauen schon am Display gestört (Klein und fummeliger Drehknopf daneben). Irgendwelche Infos zum Tevo Flash hatte ich mir vorhin auch nicht besorgt. Was mir gleich aufgefallen beim Einschalten aufgefallen ist, sind die Lüfter. Menno was soll das so will ich den nicht in meinem Arbeitszimmer laufen lassen und der Keller ist langsam voll. Im Gehäuse summt ein Lüfter durchgehend mit Vollgas. Wenn er bleiben darf kommen auf jeden Fall wieder andere Lüfter in das Teil. Dazu gibts dann sicher einen Artikel hier im Blog. Also gut, drucken wir mal los. “Wo muss die SD-Karte hin? Ah da neben dem Display ist ein Slot.” -Was mir sehr gut gefällt ist die Tatsache, dass man ordentliche SD-Karten verwenden kann und nicht fummelige Micro-SD-Karten irgendwo reindrücken muss. Jeder mit ausgewachsener Hand wird dankbar dafür sein.

Auf der SD-Karte war schon GCODE vorhanden um etwas Ausdrucken zu können. Das erste Modell scheint wohl ein Test für die Signal-Glätter zu sein, die der Tevo Flash zwischen Steppertreiber und und den Nema17 Schrittmotoren hat. Dadurch soll die Oberfläche glatter rüber kommen, da die Spannungssignale geglättet werden. Naja was ein Endverbraucher nun damit anfangen soll wenn er schon in der Wohnung steht keine Ahnung. Für einen ersten Ausdruck kann ich mir schönere Modelle vorstellen. Ein schönes Kätzchen wäre doch was 🙂 Ansonsten war nur besagtes Modell für den Spulenhalter mit auf der SD-Karte um direkt losdrucken zu können. Natürlich hat der Spulenhalter gewonnen gegen den komischen Drucktest.

Tevo Flash Gehäuse-Lüfter

Dieser Radiator ist eine richtige Nervensäge. Zum Glück sind Lüfter schnell getauscht.

Das Aufheizen geht mit dem genialen und gedämmten  AC-Heizbett richtig flott. Innerhalb kürzester Zeit war das Druckbett samt fest montierter Borosit-Glasplatte auf 80 Grad, wie im GCODE hinterlegt. Die 80 Grad bräuchte ich jetzt nicht für PLA. Aber allgemein ist das mitgelieferte Profil für die Slicer-Software Repetierhost richtig gut und auf das Gerät abgestimmt. Der Druck geht richtig flott und die Signalglätter haben den schönen Nebeneffekt, dass von den DRV8825 Steppertreibern in meinem Standard-Modell vom Tevo Flash nur sehr wenig zu Hören ist. Stören tut nur der Lüfter im Gehäuse der weiterhin Vollgas gibt. Richtig gut gemacht Tevo!

 

 

 

Technische Features

Hier noch die Details zu den technischen Features und technischen Daten des Tevo Flash:

AC-Heizbett und Signalglätter

Wie bereits erwähnt hat der Tevo Flash ein 220 Volt AC-Heizbett das zudem noch isoliert ist. Das ist eine klasse und komfortable Sache, die dabei auch noch ein besseren Wirkungsgrad hat als ein Heizbett für 12 Volt oder 24 Volt. Richtig schön ist auch die Konstruktion für das Bewegen des Heizbettes. Das habe ich so noch an keinem Drucker gesehen. Über 2 Umlenkrollen wird eine Zug-Entlastung auf den Motor realisiert was auch bei höheren Geschwindigkeiten die wirkenden Kräfte im Rahmen hält. Das ist eine richtig klasse Sache, sauber! Dann haben wir noch die Signalglätter zwischen Steppertreiber und Nema17 die einen guten Job machen. Neben den versprochenen besseren Druck-Ergebnissen ist es vor allem angenehm für die Ohren solche Signalglätter im Drucker zu haben.

Display und Kartenleser

Das Display ist eher ausreichend aber das ist auf hohem Niveau gemeckert. Gut damit arbeiten kann auf jeden Fall. Wer Octoprint oder Repetierserver einsetzt, muss sich ohnehin nicht damit auseinandersetzen. Richtig gut gefällt mir der SD-Kartenleser. Das ist zwar keine eine Innovation aber ein schönes und altbewährtes Feature gegenüber den Fummeleien mit Micro-SD-Slots. Die gehören in mobile Geräte und nicht in einen 3D-Drucker…

Schalterlose Endstops

Endschalter am Tevo Flash

Richtig gute Geschichte sind diese Endschalter

Auch der Tevo Flash setzt seine Achsen mit Endstops auf null. Entgegen fast aller seiner Kontrahenten setzt er dabei aber auf schalterlose Endstops ohne mechanische Wippe. Dabei handelt es sich um die richtig guten SUNX GL8H Näherungsschalter. Ob es die originalen von Panasonic sind oder nicht kann ich nicht sagen, aber laut Beschriftung ist es ein Nachbau. Fest steht aber das ist richtig gut. Genauer gesagt das ist nicht nur genauer sondern auch deutlich langlebiger. Gerade an der Z-Achse muss man so nicht ständig auf das Endstop aufpassen beim Arbeiten mit dem Drucker.

 

Volcano Hotend und Getriebe-Extruder

Das verbaute Hot-End nach dem Stil des E3D Volcano macht einen sehr guten Job. Mit der standardmäßig verbauten 0,4mm Nozzle kommt es spielend klar und auch bei hohen Geschwindigkeiten gibt es keine Nachflussprobleme beim Filament. Die eingestellte Temperatur kann so konstant auf Normalniveau bleiben. Der verbaute Getriebe-Extruder hat sich schon bei anderen Modellen wie dem Tevo Tornado bewährt und ist in Kombination mit dem verbauten Hotend nicht nur sinnvoll sondern super.

Technische Daten

Bauraum (Druckbereich LxBxH)23,5cm x 23,5 cm x 25 cm
Standard Nozzle:0,4 mm Innendurchmesser
Kartenslot und standalone DruckenJa, SD-Karte
USB-Anschluss und remote DruckenJa
Beheitzes DruckbettJa, isoliertes 220 Volt AC-Heizbett
Bevorzugtes Filament:PLA, ABS
ExtrudertypGetriebe-Extruder Tevo Titan mit Bowden-Tube
Drucker-Abmessungen42cm x 44cm x 50 cm

Vergleich zu Alfawise U30 und Creality3D Ender 3

So viel sollte schon klar sein: Vor den Modellen welche man ungefähr zum gleichen Preis bekommt, muss sich der Tevo Flash nicht verstecken und ist in jedem Fall vergleichbar. In Sachen Druckqualität nimmt er es mit den Creality3D Ender 3 und Alfawise U30 locker auf. In Sachen Druckgeschwindigkeit hat er vermutlich die Nase vorn. Dank seinem umgelenkten Antrieb für das Heizbett kommt er hier mit höheren Geschwindigkeiten und mehr Jerk klar. Wo wir beim Heizbett sind, AC-Heizbett und eine Isolierung bietet auch keiner der Konkurrenten.

Wie schon genannt gefällt mir das Display nicht. Zwar ist es nicht wirklich schlechter als bei der Konkurrenz von Creality3D, allerdings macht der Alfawise U30 in Sachen Display und Bedien-Konzept hier deutlich mehr richtig. Der Tevo Flash kann mit dem schicken Touch-Display das auch gut funktioniert nicht mithalten.

Das Volcano Hotend zusammen mit dem Getrieb-Extruder macht ohne Zweifel einen guten Job und ist qualitativ besser als was ich von Ender 3 und U30 kennengelernt habe. Im Summe wirkt der Tevo Flash durchdachter und runder als die Modelle im Vergleich.

Im Vergleich vergesse ich jetzt mal die Minuspunkte für wenig Zubehör und den fehlenden Spulenhalter den man selber drucken muss, nachdem man sich eigenes Filament dafür gekauft hat. Ist das überwunden hat man ein super Gerät.Wer die 10-20% Mehrpreis vom Tevo Flash im Budget hat, sollte hier zuschlagen und wird es im Vergleich zu Creality3D Ender3 und Alfawise U30 nicht bereuen.

Testfazit

Unter den aktuell verfügbaren mid-sized 3D-Druckern ist der Tevo Flash keiner, der sich verstecken muss. Wer sich von den zahlreichen Features angesprochen fühlt sollte nicht weiter suchen. Preis sowie Leistung passen und man erhält ein 3D-Drucker mit dem lange Freude haben wird. Bereits mit der Standard-Version aus dem Test bin ich sehr zufrieden. Ein schönes Upgrade sind die TMC2100 Treiber die optional auch ab Werk verfügbar sind. Außerdem ist ein BL-Touch Autolevel-Sensor gegen Aufpreis verfügbar. Das mangelnde Zubehör und der fehlende Spulenhalter den man sich selber ausdrucken muss, sei hier dennoch kritisch an Tevo adressiert erwähnt.

 

 

 

Twitter